Baukastensysteme wie Wix, Jimdo & Co. werden gerne verkauft wie Möbel vom Schweden: auspacken, zusammenschrauben, fertig. Und wie IKEA-Regale erfüllen sie ihren Zweck. Die Probleme beginnen dort, wo man glaubt, damit sei automatisch eine gute Website gebaut.
Wofür Baukastensysteme gedacht sind
Baukastensysteme wurden nicht erfunden, um Unternehmen wachsen zu lassen. Sie wurden erfunden, um möglichst schnell irgendetwas online zu bringen. Sie funktionieren gut für sehr kleine Projekte, private Seiten oder kurzfristige Aktionen. Also überall dort, wo es egal ist, ob daraus später mehr wird.
In diesen Fällen sind Baukästen völlig okay. Schnell, billig, überschaubar. So wie ein IKEA-Regal für den Abstellraum.
Wo sie tatsächlich funktionieren
Solange eine Website keine komplexen Inhalte hat, keine klare Zielgruppe ansprechen muss, nicht gefunden werden und verkaufen muss und auch nicht wachsen soll, kann ein Baukastensystem reichen.
Das Problem: Die meisten Unternehmenswebsites haben genau diese Anforderungen. Und genau dort fangen Baukästen an, zu bremsen.
Wo die Grenzen liegen (und warum es dann weh tut)
Baukastensysteme stoßen nicht deshalb an ihre Grenzen, weil sie „schlecht programmiert“ wären. Sondern weil sie für Standardfälle gebaut sind.
Typische Probleme:
- eingeschränkte SEO-Möglichkeiten
- starre Strukturen
- schlechte Ladezeiten bei wachsenden Inhalten
- kaum Kontrolle über den Code
- schwierig zu erweitern
- Abhängigkeit vom Anbieter (und seinen Preisen)
Am Anfang merkt man das nicht. Später allerdings sehr deutlich. Meist dann, wenn Inhalte nicht so dargestellt werden können, wie sie gebraucht werden. Oder wenn Google die neue Seite ignoriert und wichtige Funktionen einfach nicht existieren.
„Aber die Website hat eine Freundin gemacht …“
Das hören wir ständig:
„Die Wix-Website hat eine Freundin gemacht, die arbeitet in einer Agentur.“
Das klingt gut. Ist aber kein Qualitätskriterium. Denn:
- In Agenturen arbeiten sehr viele Menschen mit sehr unterschiedlichen Aufgaben.
- Nicht jede Person, die dort arbeitet, plant Websites.
- Nicht jede hübsche Oberfläche ist funktional durchdacht.
- Und (auch wenn wir das nicht gerne schreiben): nicht jede Agentur hat das Beste für ihre Kund*innen im Fokus.
Eine Website ist kein Deko-Objekt. Sie ist ein Werkzeug. Und Werkzeuge beurteilt man nicht danach, wer sie gebaut hat, sondern ob sie ihren Zweck erfüllen.
Das eigentliche Problem ist nicht Wix oder Jimdo
Das eigentliche Problem ist die Erwartung: „Das ist doch eh schnell gemacht.“
Nein. Eine wirkungsvolle Website ist nicht schnell gemacht. Sie braucht Struktur, ein Verständnis für Zielgruppen, saubere Technik – und die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.
Baukastensysteme nehmen einem Arbeit ab – aber sie nehmen einem auch Möglichkeiten. Sie sind wie IKEA-Regale:
- praktisch
- günstig
- schnell aufgebaut
Aber niemand würde auf die Idee kommen, damit ein maßgetischlertes Möbelstück zu erstzen. Doch genau das erwarten viele von ihrer Website.
Wenn du einfach nur „irgendwas online“ brauchst – bitte. Aber wenn deine Website gefunden werden soll, Vertrauen aufbauen, verkaufen, überzeugen und mit deinem Unternehmen mitwachsen soll, dann reicht ein Baukasten nicht. Und das hat nichts mit Geschmack zu tun. Sondern mit Funktion.