Wenn du ein Erklärvideo produzieren willst, das niemand zu Ende schaut, niemand versteht und niemand vermisst, geh bitte folgendermaßen vor:
Schritt 1: Verwende ein Standard-Animationsprogramm
Am besten eines, das wirklich alle verwenden. Gleiche Figuren, gleiche Icons, gleiche Bewegungen. Individualität ist überbewertet. Wichtig ist, dass man sofort erkennt: Ah, so ein Video.
Schritt 2: Nimm Figuren aus dem Baukasten
Stell sie vor einen einfärbigen Hintergrund. Grau. Blau. Irgendwas Seriöses. Die Figuren dürfen ruhig ein bisschen wackeln. Nicht zu viel – nur so, dass man merkt, es bewegt sich eh was.
Schritt 3: Lass den Sprechertext intern schreiben
Ideal sind Texte von Menschen, die sehr viel über das Produkt wissen und sehr wenig über Sprache, Dramaturgie oder Zuhörer.
Der Text sollte:
- möglichst lang sein
- möglichst alles erklären
- möglichst nichts weglassen
Am besten in ganzen Absätzen.
Zum Vorlesen.
Wichtig: Lass jedes Erklärvideo mit „Herr/Frau/Familie Müller/Huber/Meier hat ein Problem“ beginnen. Es ist ein unnumstößliches Naturgesetz, dass alle Erklärvideos genau so anfangen müssen!
Schritt 4: Schnitt und Dramaturgie übernimmt jemand „mit Gefühl“
Also jemand, der:
- noch nie geschnitten hat
- noch nie ein Drehbuch gesehen hat
- aber überzeugt ist, dass man das „eh spürt“
Schnitte dürfen beliebig sein. Pausen auch. Timing ist Glückssache.
Schritt 5: Die Sprecherstimme bitte so langweilig wie möglich
Sehr wichtig! Die Stimme soll:
- monoton sein
- keine Betonung haben
- keinen Rhythmus
- keine Emotion zeigen
Am besten klingt sie wie jemand, der den Text selbst zum ersten Mal hört und dabei innerlich schon woanders ist.
Schritt 6: Lass alles gleichzeitig passieren
Während der Sprecher spricht:
- bewegt sich die Figur
- zeigt irgendwo ein Pfeil auf irgendwas
- fährt ein Icon ins Bild
- passiert sonst noch irgendwas
Schritt 7: Fertig
Das Video erklärt jetzt alles. Zumindest theoretisch.
Fortsetzung folgt …